|
1915 heißt es im Jahresbericht: " [...] Wohin sind sie jetzt alle verstreut? Mit Stolz und Freude sehen wir unseren Ruderer draußen vor dem Feinde, hat doch auch unser A.R.-V. seinen Anteil, so daß sie zu leistungsfähigen Soldaten erzogen wurden. Auch unser Verein hat mithelfen dürfen in nunmehr 17jährigem Wirken, dem Vaterlande Männer zu geben voll Kraft und Energie, deren unvergleichliche Leistungen schon jetzt die Welt bewundernd anerkennt [...]"
|
|
|
1917 hatte die Perspektive sich geändert: "Umso größer und schmerzlicher sind die Lücken, die der Krieg auch in unseren Reihen gerissen hat. 23 Namen zählt die Heldentafel des A.R.V. Leider müssen wir aber wohl noch mehr zu denen rechnen, die dem Völkerringen zum Opfer gefallen sind. [...] 55 haben auf unsere Umfrage nicht geantwortet, und es wäre ein kaum zu hoffendes Glück, wenn alle diese noch unter den Lebenden wären [...]"
Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Namen aller ARV-Toten samt Foto in einem Album zusammengefaßt. Es ist ein bemerkenswertes Dokument für das Verhältnis des ARV zu seinen Opfern. Ein Drittel aller ARV-Toten fiel im Jahre 1914 bzw. in dessen zweiter Hälfte. Schon das erste Achtel des Weltkrieges forderte somit ein Drittel der gefallenen ARV-Mitglieder.

Der Gedenkstein für die Gefallenen des ARV
|
|
Solch harte Statistiken weisen noch nach achzig Jahren darauf hin, wie kopflos und begeistert eine ganze Generation in den Krieg gestürzt ist, der Europa vielleicht dreißig seiner besten Jahre gekostet hat. Und nur die Tatsache, daß es sich bei den jungen Kriegsfreiwilligen des Jahres 1914 um ARVer, um Leute wie uns, gehandelt hat, kann eine verständnislose oder gar herablassende Betrachtung der Soldaten vermeiden helfen, die im ersten Weltkrieg starben.
|
|
"Friedrich Weber wurde am 7. Juni 1888 zu Kiel gebohren. Er besuchte erst das Gymnasium, später das Reform-Real-Gymnasium daselbst, an dem er dann auch 1906 das Abiturienten-Examen ablegte. Er studierte in Kiel, München und wieder Kiel erst Germanistik, dann Jurisprudenz und machte im Oktober 1910 sein Referendar-Examen. 1912/13 diente er einjährig-freiwillig beim Infanterie-Regiment 31 in Altona, wo er später auch Reserve-Offizier wurde. Der Krieg rief ihn schon in den ersten Tagen zu den Waffen und in den Kämpfen in Lothringen erhielt er die Feuertaufe. Als sich der Krieg zu Stellungskämpfen ausgestaltete, war sein Regiment in Belgien vor Dirmuiden und hat dort lange Zeit treue Wacht gehalten. Als dann im Herbst 1916 die Schrecklichen Kämpfe an der Somme entbrannten, wurde seine Truppe dort eingesetzt. Hier ereilte ihn das Geschick. Weber fiel am 2. Oktober 1916 durch einen Herzschuß; bei Le Sars ward er beerdigt. So ist auch dieser frische, kraftvolle und hoch begabte Mensch hingerafft worden. Zielbewust und tüchtig auf allen Gebieten ließ er außergewöhnliche Leistungen erwarten. Daß gilt auch von seiner Tätigkeit in unserem Verein. Schon als Schühler war er ein eifriger Ruderer und ist als Student und später im Berufsleben allzeit ein begeisterter Sportler gewesen. Mehrmals hat er am Training teilgenommen und meist seinen Riemen siegreich geführt. Aber auch bei den Tourenfahrten fehlte er selten im Boot und stets war er der Mittelpunkt der Mannschaft. Wir hielten viel von ihm und wir erwarteten noch viel. Sein Name wird allzeit fortleben im A. R. V. Seine Eltern haben aus dem von ihm im Gelde Ersparten einen Fonds von 2000 Mark gestiftet, aus dessen Zinsen jedes Jahr dem eifrigsten Ruderer ein "Friedrich-Weber-Becher" ausgesetzt ist."
|

|
|
"Hermann Büsgen wurde am 8. Juli 1892 in Jena als Sohn des Professors der Botanik W. Büsgen gebohren. Die Schule besuchte er in Eisenach und Hann. Münden, wo er Ostern 1910 sein Abiturexamen als primus omnium machte, um dann als stud. theol. die Universitäten Kiel, Heidelberg, Halle und Marburg zu besuchen. Bei Kriegsausbruch trat er als Kriegsfreiwilliger beim 5. rhein. Dragonerregiment in Hofgeismar ein, mit dem er im Januar 1915 nach Belgien ausrückte. In der Woche vor Ostern kam das Regiment nach Rußland, wo es an den Kämpfen an der Dubissa vom 25. Mai ab großen Anteil hatte. Bei einem Sturmangriff auf eine Höhe am 27. Mai erhielt Büsgen einen Kopfschuß und starb am 1. Juni im Feldlazarett Kielmy an dessen Folgen. Sein Grab befindet sich in Kielmy an der katholischen Kirche. Hermann Büsgen wurde aufgenommen in den A. R. V. am 4. Mai 1910. Er verstand es, fleißigge rastlose Studienarbeit in harmonischen Einklang zu bringen mit dem Sport. Pflichttreue auf allen Gebieten war sein hervorstehender Charakterzug."
|
|
"Walter Eugen Erich Lütjohann wurde am 14. Mai 1893 zu Holtenau als 3. Sohn des Kaiserlichen Regierungsrats und Geheimen Baurats Lütjohann geboren, und besuchte das königliche Gymnasium zu Kiel, um sich dem Studium der Rechtswissenschaften zu widmen. Nachdem er an der Universität Lausanne und in München studiert hatte, kam er zum Sommersemester 1914 nach Kiel, wo er Mitglied des Akademischen Rudervereines wurde. Bei Ausbruch des Krieges trat er als Kriegsfreiwilliger ins Schleswig-Holsteinische Infanterieregiment Nr. 85 ein, wurde im Felde beim Infanterieregiment 149 zum Leutnant der Reserve befördert, und erhielt dort als Kompanieführer im April 1917 für die siegreiche Abwehr feindlicher Angriffe am Winterberg das Eiserne Kreuz 1. Im Sommer 1917 trat er zur Fliegerwaffe über, und kam nach erfolgter Ausbildung in der Heimat wieder ins Feld. Als Flugzeugführer in der Jagdstaffel Nr. 63 fiel er im Luftkampf am 15. Mai 1918 bei Gentilles südöstlich Amiens. Mit ihm ist ein allzeit frischer frölicher Mensch, ein trefflicher Kammerad aus unsern Reihen geschieden."
|

|
|
|
"Im Waffenglanze, Ihr Toten, Selig verbunden, Freudig gegeben dem Tode, Daß wir leben, Verklärte, seid Licht! Eu'r Opferstreben Strahl unserm Herz: Nicht das Leben, Nein, Opfer Willig zu geben Ist Glück."
|
|